Die perfekte Linie der Natur

08. August 2018

Beim Jubiläumsfest am 26. Mai sorgten die Werke von Camillo Stepanek für Aufsehen: Der gebürtige Niederösterreicher macht aus Sperrholz-Platten von JAF einzigartige Kunstwerke von Weltrang. Wie alles begann und welche Technik hinter dem Kunststil „Pop Art Nouveau“ steckt, erzählt Camillo Stepanek im Interview …

Herr Stepanek, Sie kommen ursprünglich aus Niederösterreich und stellen mittlerweile unter anderem in New York aus – wie kam es zu diesem beachtlichen „Sprung“ über den Atlantik?

Camillo Stepanek: Dazu braucht es als junger Künstler vor allem Mut – und auch ein bisschen Glück natürlich. (lacht) Eigentlich hat alles damit begonnen, dass einige Bilder im Hotel „Hyatt“ in Agadir ausgestellt wurden. Das Ornamenthafte, die geschwungenen Linien und die Farben meiner Arbeiten passten perfekt in das marokkanische Ambiente. Damals bin ich selbst mit dem vollbeladenen Auto nach Marokko gefahren, um meine Bilder sicher abzuliefern – das war eine einzigartige Erfahrung.

Und danach ging alles Schlag auf Schlag: Sehr wichtig war für mich der „Viennese Opera Ball“ in New York, bei dem ein Bild von mir in einer stillen Auktion versteigert wurde. Das war ein echter „Turbo“, den ich vor allem dem Einsatz der Ball-Präsidentin Silvia Frieser und des künstlerischen Leiters Daniel Serafin verdanke. Danach folgten die erste Ausstellung in der Lobby der Katakomben sowie der erste „Wiener Salon“ an der Madison Avenue.

… sehr exklusive Locations …

Das stimmt. Aber das ist nur ein Teil dieser Geschichte: Mir ist besonders wichtig, dass auch jene Menschen meine Kunst sehen, die keinen Zugang zur High Society haben. Aus diesem Grund habe ich mit einem meiner Bilder einen Stadtspaziergang durch New York gemacht: Ich habe mir ein Bild sprichwörtlich um den Hals gehängt und bin mit diesem durch die Millionenmetropole gegangen.

Das war eine besondere Erfahrung, denn die Reaktionen waren ausschließlich ehrlich, pur und authentisch. Das Schöne daran: Den Menschen haben meine Bilder ausnahmslos gefallen.

Und was steckt nun genau hinter Ihrer Kunst?

Am Anfang steht eigentlich immer das Holz – das ist sozusagen meine Basis. Die Maserung ist für mich eine perfekt geschwungene Linie der Natur und zeigt die Lebenslinien eines Baumes. Doch sie wird von uns eigentlich kaum mehr wahrgenommen. Mit meinen Bildern soll sie deshalb mehr ins Rampenlicht gerückt werden. Ich suche eben die Schönheit im Kleinen.

Und mit welchem Holz arbeiten Sie am liebsten?

Birke hat eine sehr ansprechende Maserung mit ausdrucksstarkem Kontrast. Deshalb arbeite ich sehr gerne mit diesem Holz. Prinzipiell muss mich die Maserung ansprechen.

Wie kamen Sie generell auf diese Idee? Was hat Sie inspiriert?

Ich beschäftige mich bereits seit meiner Kindheit künstlerisch – früher allerdings mit Leinwand und Pinsel. Eines Tages lag ich in meinem Zimmer in Niederösterreich, schaute zur Holzdecke hinauf und entdeckte die Maserung. Ich wollte eine Möglichkeit finden, sie hervorzuheben. Das war der Startschuss zu meinem Kunststil „Pop Art Nouveau“: Ich verschmelze die Naturverbundenheit und das Ornamenthafte des Jugendstils mit Elementen der Pop Art. Es freut mich, dass diese Idee auf so viel Zuspruch stößt. Meine Reise hat gerade erst begonnen und ich freue mich auf die vielen spannenden Stationen, die noch auf mich warten …