Die Mistel – Weihnachtsdeko oder grüner Schmarotzer?

12. Dezember 2018

Wenn im Herbst die Bäume ihr dichtes Laubkleid abwerfen, treten sie aus dem Dickicht hervor und werden für uns sichtbar: Die Misteln. Hoch oben in den Baumwipfeln thronen sie und sind für dekorationsfreudige Zeitgenossen gar nicht so leicht zu pflücken. Die Geschichte wie sie dort überhaupt hingelangt sind, ist zwar nicht sonderlich appetitlich, aber ein weiterer Beweis für den Erfindungsreichtum unserer Natur.

Die Mistel gehört zur Gattung der Sandelholzgewächse und wächst als sogenannter „Halbschmarotzer“ auf Bäumen und Sträuchern. Bereits der Name „Mistel“ ist ein Indiz für die Vermehrungsart dieser spannenden Pflanzenart. Hat der verspeiste Mistelsamen den Verdauungstrakt eines Vogels passiert, landet er als Vogel-„Mist“ mit ein bisschen Glück wieder auf einem Baum und gedeiht zu einer neuen Pflanze. Bereits die alten Römer nutzten die Mistelbeere und stellten – in diesem Fall zum Leidwesen der Vögel – „Vogelleim“ her, um die kleinen Piepmätze zu fangen. Der lateinische Begriff für Leim „Viscum“ ist zugleich Gattungsname für die Mistelgewächse und erinnert an diese ausgefallene Jagdtechnik.

Mythos Mistel

Auch die Erzfeinde der Römer – die Germanen – waren Mistel-Fans. Zahlreiche germanische Mythen ranken sich um die immergrünen Zweige. So manch einem von uns fallen mit Sicherheit auch die Asterix-Comics ein: Der Druide Miraculix fügt als letzte Zutat dem magischen Zaubertrank Misteln hinzu. Denn erst die Misteln verleihen den gallischen Bewohnern übermenschliche Kräfte zur Verteidigung des Dorfes vor den Römern.

Warum die Nordamerikaner und Briten jetzt eigentlich genau auf die Idee gekommen sind, zu Weihnachten einen Mistelzweig aufzuhängen, um unter ihm potenziellen Kussopfern aufzulauern, ist unklar. Möglicherweise kann dies aber auch unter dem langen Kapitel: „Die wundersamen Auswüchse menschlichen Balzverhaltens“, abgelegt werden. Fakt ist jedoch: Die Mistel macht sich als Weihnachtsdeko hervorragend und gerade zu Weihnachten ist Küssen, mit oder ohne Misteln, ein hervorragender Zeitvertreib.